Schlossgespenster

Um eine so alte und mächtige Burg wie Runding ranken sich selbst- verständlich viele Sagen und Geschichten. Über Generationen wurden sie von Mund zu Mund weiter überliefert und erstmals Mitte des vorigen Jahrhunderts aufgezeichnet Bei Grueber und Müller "Der Bayrische Wald", erschienen 1846 in Regensburg, lesen wir: "Das Runding, als es noch bewohnt war, seine Hausgespenster hatte, wird wohl niemand bezweifeln wollen. Wo gäbe es ein altes Schloss, in welchem nicht irgend ein Spuk zum Schrecken des Gesindes sich umtriebe. Wie die Leute erzählen, sah man täglich um Mitternacht in der Kanzlei ein eisgraues Männlein sitzen, das vom Schlage der Geisterstunde bis zum ersten Hahnenschrei ununterbrochen schrieb und siegelte. Gefürchteter als dieser harmlose Aktenwurm war der sogenannte Ofenschreier, der abends mit klirrenden Sporen und klapperndem Säbel in den Gängen herumpolterte und dabei alle Ofen untersuchte, grausig fluchend und scheltend, wenn er irgendwo das Feuer nicht lustig brennen sah. Jetzt wird der Geist wohl Ruhe haben, denn er fände im ganzen Schlosse keinen Ofen mehr, den er beschreien könnte. Auch über die Abstammung der Freiherrn von Nothafft ist im seIben Buch eine Sage aufgeführt, welche einer altdeutschen Reimchronik entnommen war. Darnach führten die Nothafft ihre Abstammung auf einen friesischen Königssohn, Ritter Radibolt Eggemont, zurück. Das Gedicht stand im Jahre 1845 im Oberpfälzischen Anzeiger. Ferner lesen wir in diesem Buch mit den ältesten Aufzeichnungen der Sagen des Bayerischen Waldes: „Als liebliche Blüte an dem Stammbaume dieses Geschlechts erscheint die schöne Veronika, eine Tochter des Ritters Albrecht Nothafft. Die Hallen Rundings waren kaum geräumig genug um die Zahl der Edlen aufzunehmen, welche die Hand der ebenso reizenden als ehrbaren Jungfrau zu gewinnen strebten. Selbst der junge Herzog Georg von Landshut huldigte der Schönheit Veronikas, musste aber geschehen lassen, dass der Ritter Georg Von Closen sie als seine Hausfrau heimführte. Den Herzog trieb die Macht der Liebe sogar vor die Burg Gern, wo der glückliche Nebenbuhler seinen Sitz hatte. Dieser aber war unhöflich genug ihm die Tore zu verschließen, als er zu gastlicher Herberge sich anmeldete. Aufgebracht hierüber gebot der Herzog seinen Leuten, dem von Closen, den ,Eiferer' aufzublasen und ließ sogleich das Heu in Brand stecken, welches auf den das Schloss umgebenden Wiesen gerade in Schobern stand. Damit sollte die brennende Eifersucht des Ritters verspottet werden."